Dieser Artikel ist in mehrere Seiten unterteilt:
1. Die Prinzipien des Studiums
Unser Studium der göttlichen Offenbarung beruht auf die folgenden unabänderlichen Prinzipien:
- Die Rückkehr zum Text des Korans selbst.
- Die Suche nach dem geistigen Sinn des Textes
- Die göttliche Pädagogik der Offenbarung.
- Die Einheit der Offenbarung.
Indem wir beim Studium der biblisch-koranischen Offenbarung diesen Prinzipien folgen, werden wir die Absicht Gottes erkennen, um letztendlich die Einheit der beiden Offenbarungen zu entdecken.
1.1. Die Rückkehr zum Text des Korans
Gott fordert von den Gläubigen Vorsicht in der Suche nach den geistigen Wahrheiten. Er verlangt von ihnen sich immer auf die offenbarten Bücher zu stützen und Gerüchte zu ignorieren, die von Unruhestiftern verbreitet werden. Gott verlangt Vorsicht, wenn er sagt:
„Unter den Menschen gibt es manch einen, der in seinem Unverstand ohne Rechtleitung und erleuchtete Schrift über Gott streitet.“ (Koran 22; Die Wallfahrt‚8)
Die erleuchtete Schrift, worauf wir uns beziehen, um den Geist des Korans zu verstehen, ist der Koran selbst. Wir stützen unsere Argumente auf dieses offenbarte Buch und auf die Bibel, um die Einheit, die zwischen den Büchern besteht, aufzuzeigen. Wir schenken den nichtigen Protesten derer, die nur an oberflächlichen Kontroversen Gefallen finden absichtlich keine Aufmerksamkeit, um damit weder ihre noch unsere Zeit zu verlieren.
Diese Notwendigkeit, sich auf eine erleuchtete Schrift zu stützen, wurde schon von den Aposteln Christi erkannt, um die Juden zu überzeugen, dass Jesus wirklich der Messias war, der von den Propheten des Alten Testamentes angekündigt wurde. In der Tat sagt das Evangelium, dass die Juden, die an Christus geglaubt haben
„…mit grosser Begeisterung das (von den Aposteln angekündigte) Wort aufnahmen, und Tag für Tag in den Schriften nachforschten, ob sich dies wirklich so verhielte“ (Apostelgeschichte 17,11).
Der Messias verfuhr nach seiner Auferstehung mit seinen Aposteln auf gleicher Weise:
„Er legte ihnen dar, ausgehend von Moses und allen Propheten, was in der gesamten Schrift (Altes Testament) über ihn geschrieben steht“ (Lukas 24,27).
Der besonnene Gläubige muss sich beständig auf erleuchteten Schriften beziehen, wenn er eine solide Führung sucht, um seinen Glauben, wie die Apostel, seine Vorgänger, auf die Kenntnis zu gründen.
1.2. Die Suche nach dem geistigen Sinn des Textes
Gott hat uns befohlen, immer den geistigen Sinn der offenbarten Texte zu suchen und gegenüber der Falle wörtlicher und beschränkter Interpretation vorsichtig zu sein, da sie von der göttlichen Absicht abweicht. Die göttliche Inspiration hat zum Ziel, unser Interesse für das geistige ewige Leben, welches das körperliche Leben in unbeschreiblichem Masse übersteigt, zu entflammen. Deshalb veranlasst uns nach dem Evangelium und der Thora auch der Koran uns zu sensibilisieren und vor allem dem Geist und nicht dem wörtlichen Sinn Wert zu geben. Der Koran sagt:
„Aber es gibt welche, die Gott nur dem wörtlichen Sinn nach dienen. Wenn ihnen etwas Gutes beschieden wird, beruhigen sie sich dabei; wenn sie aber von einer Prüfung heimgesucht werden, fallen sie in dieser und in der anderen Welt auf das Gesicht. Das ist ein offensichtliches Verderben“ (Koran 22; Die Wallfahrt‚11).
Die gleiche Warnung ist auch im Evangelium in einem anderen Stil zu finden:
„Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2 Korinther 3,6).
Der Messias empfiehlt, wir sollten uns nicht auf den literarischen Sinn versteifen, sondern uns zur göttlichen Absicht erheben, die sich in den prophetischen Worten manifestiert. Er sagt dazu:
„Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen haben, sind Geist und sind Leben“ (Johannes 6,63).
Das Alte Testament lädt uns auch ein, über den wörtlichen Sinn hinauszugehen, um den Geist zu erreichen. Wir führen als Beispiel die Beschneidung und das Fasten an. Der Prophet Jeremia (6. Jahrhundert vor Christus) sagt bezüglich der Beschneidung folgendes:
„Beschneidet euch für den Herrn, und entfernt die Vorhaut eures Herzens“ (Jeremia 4,4).
Dieser grosse Prophet hatte also verstanden, dass die göttliche Absicht, was die Beschneidung betrifft, auf die Reinigung des Herzens abzielt und nicht auf die Entfernung der Vorhaut; eine geistige und keine physische Handlung, welche die Seele von unreinen Gedanken und Bestrebungen reinwäscht. Deswegen sagt der Hl. Paulus diesbezüglich:
„Es kommt nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, die Gebote Gottes zu halten“ (1 Korinther 7,19).
In Wirklichkeit haben jene, welche die Gebote Gottes befolgen,
„eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung die Christus gegeben hat. Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Körper“ (Kolosser 2,11).
Dies ist die geistige Beschneidung, vollzogen von der Hand Gottes, um durch Reue und Gnade die Seele zu reinigen. Diese kann nicht mit der körperlichen Beschneidung, von Menschenhand vollzogen, verglichen werden, die unfähig ist die Seele von den Übeltaten zu befreien.
Die Beschneidung, das Fasten, die Opfergaben, die Pilgerschaften… sind alle „bildlichen“ Symbole, welche geistige Wirklichkeiten darstellen. Sie sind Teil der „Gleichnisse“, die man geistig und nicht buchstäblich interpretieren sollte, wie es diejenigen tun,
„die im Herzen zweifeln, diese wollen aus Begierde, Spaltungen veranlassen, und aus Freude am Deuten jene Gleichnisse erklären. Aber nur Gott kennt ihre wahre Bedeutung. Die aber, welche fest in der Erkenntnis sind, sprechen: ‘Wir glauben daran, das Ganze ist von unserem Herrn.' So denken aber nur die, welche verständigen Herzens sind“ (Koran 3; Sippe Imrans‚7).
Die Interpretation der „Gleichnisse“ ist also nur von Gott bekannt, wie es der Koran offenbart. Wie können sich also einige erlauben diese Gleichnisse in einer Art und Weise und einem Stil zu interpretieren, welche Zwietracht und Spaltungen zwischen Brüdern hervorruft? Wir unsererseits präsentieren keine eigene Interpretation, sondern wir beziehen uns auf das Wort Gottes in der Bibel und insbesondere in den Büchern des Evangeliums. Hier haben wir die Interpretation Gottes selbst bezüglich der Gleichnisse gefunden und zwar durch sein eigenes „Wort, das er der Maria entboten hat“ (Koran 4; Die Frauen 171). Das Wort Gottes ist in ihr Fleisch geworden, um die Welt über die Absichten Gottes in der Offenbarung zu erleuchten. Dieses gesegnete Wort täuscht sich nicht; es übertrifft und macht jede menschliche Interpretation zuschanden. Einzig die „welche verständigen Herzens sind“ und die auf freiwilliger Basis und ohne zwang offen gegenüber der Gesamtheit der biblisch-koranischen Offenbarung sind, werden fähig sein sich von diesem göttlichen Wort zu bilden. Alle welche sich im Netz des Fanatismus fangen liessen können sich von dieser teuflischen Sklaverei befreien, falls sie sich von dem vollkommenen Wort Gottes führen lassen. Sie können dadurch das strenge Gericht Gottes vermeiden und verherrlichen seine heilige biblisch-koranische Offenbarung indem sie die Worte des Korans wiederholen:
„Wir glauben daran. Alles kommt von unserem Herrn.“(Koran 3; Sippe Imrans‚7)
Der Prophet Jesaja (8. Jahrhundert vor Christus) hatte das Fasten schon längst erklärt, als er sagte, dass sich die göttliche Absicht nicht auf das Essen und Trinken bezieht, sondern auf Taten der Gerechtigkeit:
„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Joches zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen“ (Jesaja 58,6-7).
Ja, tatsächlich glauben wir, dass das wahre Fasten darin besteht, sich von einer Sprache aus leerem Geschwätz und von Verleumdungen, die den Menschen schaden, fernzuhalten und sich davon abzuhalten, die Güter anderer zu verzehren. Das ist die Nahrung von der man sich abhalten soll, wie der Messias gesagt hat:
„Hört und begreift: Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen. Das ist es, was den Menschen unrein macht“ (Matthäus 15,10-20).
Der Koran, der offenbart wurde, um das Evangelium zu bestätigen, bestätigt diese bestürzende Worte Jesus. In der Surat der Sippe Imrans werden tatsächlich die Worte, die Jesus an die Juden richtete wieder gegeben:
„Ich bin mit einem Zeichen von eurem Herrn zu euch gekommen… Und ich bin gekommen, um zu bestätigen, was von der Thora vor mir da war, Und ich will euch einiges von dem erlauben, was euch verboten worden ist“ (Koran III; Sippe Imrans‚49-50).
Die Jünger Gottes verstanden, dass keine Nahrung verboten ist oder von Gott als unrein betrachtet wird. Die Thora und der Koran erwähnen diese Verbote nur, um auf das Konzept des Reinen und des Unreinen in den Taten und im menschlichen Benehmen vorzubereiten. Sie waren damals an Menschen, die Gott, das Gute und das Böse ignorierten gerichtet. Deshalb kommt Gott auf dieses Thema in der Surat des Tisches zurück und erläutert seine Absicht bezüglich dem Reinen und Unreinen. Er erklärt:
„Heute sind euch die guten Dinge erlaubt. Und was diejenigen essen, die die Schrift (Bibel) erhalten haben, ist für euch erlaubt, und was ihr esst, für sie“ (Koran 5; Der Tisch‚5).
Gott bestätigt in derselben Surat etwas weiter vorn nochmals diese Absicht:
„Ihr Gläubigen! Erklärt nicht die guten Dinge, die Gott euch erlaubt hat, für verboten! Und begeht keine Übertretung! Gott liebt die nicht, die Übertretungen begehen. Esst von dem, was Gott euch beschert hat, soweit es erlaubt und gut ist“ (Koran 5; Der Tisch‚87-88).
Man sollte sich merken, dass sich dieses Gebot an die Gläubigen richtet, damit sie sich daran halten: „Ihr Gläubigen“ und nicht an die Ungläubigen, welchen der Willen Gottes übertreten indem sie sich nicht daran halten. Wir gehören zu denjenigen, die an die Worte Jesus glauben, der uns „einiges von dem erlaubt, was uns verboten worden war“, nämlich an Nahrung, wie oben erklärt. Wir begehen keine Übertretungen. Wir glauben auch an Mohammed, sein Kollege in der himmlischen Mission, der gesandt wurde, um das Evangelium und die darin enthaltenen Worte Jesus zu bestätigen.
Basierend auf diesen Glauben sind wir entschlossen nicht zu verbieten was Gott erlaubt, denn Gott sagt noch in der Surat des Tisches:
„Die Nahrung ist für diejenigen die glauben und Gutes tun, keine Sünde, solange sie gottesfürchtig und gläubig sind und tun, was recht ist. Gott liebt die, die Gutes tun“ (Koran 5; Der Tisch‚93).
Gutes tun! Das ist das Reine, das Gott vorschreibt. Schlechtes tun! Das ist das Unreine, das Gott verbietet. Deshalb sagt Gott in der Surat 6, Das Vieh‚zu Mohammed er soll verkünden:
„Sag: Kommt her! Ich will verlesen, was euer Herr euch verboten hat: Ihr sollt ihm nichts beigesellen… Ihr sollt euch auf keine abscheulichen Handlungen einlassen… und niemand ungerechter Weise töten; Gott hat es euch verboten… Dies hat Gott euch verordnet: Tastet das Vermögen der Waise nicht an… Gebt volles Mass und Gewicht, so wie es recht ist!… Und wenn ihr eine Aussage macht, dann seid gerecht…Dies hat er euch verordnet. Vielleicht würdet ihr euch mahnen lassen. Dies ist mein Gerader Weg. Folgt ihm!…“ (Koran 6; Das Vieh‚151-153).
Man sollte sich merken, dass in diesen göttlichen Vorschriften des Geraden Weges keine Rede von reiner oder unreiner Nahrung ist. Wir sollten deshalb heutzutage über diese Verbote bezüglich Speise und materiellen Dinge hinausgehen, um uns an die Worte Jesus im Evangelium und in der Surat der Sippe Imrans zu halten. Nur ein reifes Herz mit einem gesunden Glauben, welches für die Vorschriften Gottes hellhörig ist, kann sich von den Ketten der buchstäblichen Interpretation befreien, um sich in den „Geraden Weg“ des Geistes, wie im Koran vorgeschrieben, zu begehen.
Dies lässt sich auch auf das Fasten des Ramadans übertragen (Koran 2; Der Tisch‚183-185 und zweiter Teil 187). Dieses Fasten ist nicht obligatorisch wie es die Fanatiker behaupten, denn der Koran schreibt selbst vor: „Diejenigen, die fasten können aber darauf verzichten, sind zu einer Ersatzleistung verpflichtet, zur Speisung eines Armen“ (Koran 2; Der Tisch‚184). Das wahre Fasten besteht also darin „nicht zu Unrecht erworbenes Gut zu verzehren“, wie es der Koran im weiter unten zitierten Vers vorschreibt. Diejenigen, die ein gut geregeltes und in allen Dingen harmonisches Leben führen, sind jene, die das ganze Leben lang fasten.
Wir haben Leute gesehen, die fasten, die sich aber gleich danach wie gierige Tiere auf die üppig ausgestatteten Tische stürzen, um nach ihren masslosen und verstellten Mahlzeit zu kotzen, und dies vom Abend bis zum Morgengrau.
Selig sind diejenigen, die die Absicht Gottes verstehen und die das Gleichgewicht suchen und die Beherrschung in allen Dingen üben.
Deshalb schreib der Koran vor:
„In der Religion gibt es keine Zwang“ (Koran 2; Die Kuh‚256).
Dies ist selbstverständlich auch für das Fasten gültig.
Die Offenbarung des Korans unterstreicht auch die Tatsache, dass das Fasten darin besteht, sich davon abzuhalten, auf lügnerische Reden zu hören und das Geld der Leute zu verzehren:
„Das sind die, denen Gott das Herz nicht rein machen wollte. Im Diesseits wird ihnen Schande zuteil, und im Jenseits haben sie eine gewaltige Strafe zu erwarten. Es sind die Leute, die immer nur auf Lügen hören und darauf aus sind, zu Unrecht erworbenes Gut zu verzehren“ (Koran 5; Der Tisch‚41-42).
Gott sagt in seinem Heiligen Buch:
„Isst nicht in betrügerischer Weise eure Güter untereinander; gibt sie nicht als Geschenk an die Richter, um ein Teil des Geldes zu essen; ihr wisst es genau“ (Koran II; Die Kuh‚188).
Aus diesen Versen wird ersichtlich, dass die gewollte Reinigung, diejenige des Herzens ist. Das Fasten bedeutet, sich davon abzuhalten auf Lügen zu hören und das Geld ungerechterweise zu „verzehren“, ohne jemals davon satt zu werden. Es besteht nicht darin, sich für eine bestimmte Zeit von materiellen Speisen abzuhalten.
Moses hat den Juden ein Gesetz gegeben. Manche versteifen sich noch bis heute darauf, das Gesetz im wortwörtlichen Sinn zu verstehen, und weigern sich, sich der göttlichen Absicht zu öffnen. Dieses sich verschliessen hat sie von Gott isoliert und ist der Hauptgrund der Ablehnung Jesu durch die Juden. Sie waren auf einen militärischen und kriegerischen Messias gefasst, einen autoritären Politiker und einen genialen Volkswirtschafter. Nun aber ist der Messias gekommen, um ihnen von Reue zu sprechen, von Nächstenliebe und nicht von bewaffnetem Kampf, von Verachtung von Geld, nicht von seiner Wichtigkeit. Er hat ihnen auch das geistige Konzept der Waschung (eine körperliche Reinigung durch Wasser) erklärt, das geistige Konzept des Fastens, der Sabbatruhe und des mosischen Gesetzes im Allgemeinen. Aber die fanatischen Juden haben sich an den wortwörtlichen Sinn des Gesetzes geklammert, nicht aber an seinen Geist und weigerten sich, den Messias zu erkennen, der sie einlud, ihr Konzept der Reinigung aufzugeben, und sich an der Quelle der geistigen, nicht aber des materiellen Wassers zu waschen; die Quellen der Reue, die einzig dazu fähig ist, das Herz von den wahren Unreinheiten zu reinigen.
Deshalb lädt uns Gott im Koran zu einer ernsthaften Gewissensforschung ein, die jeder von uns gerechtfertigt oder verurteilt. Es steht im Koran 10; Jonas‚59-60, geschrieben:
„Sag: Was meint ihr wohl, wenn Gott euch Unterhalt hat herabkommen lassen und ihr daraus Verbotenes und Erlaubtes gemacht habt, - sag: hat Gott euch Erlaubnis gegeben (so etwas zu sagen) oder heckt ihr gegen Gott lügnerische Behauptungen aus? Und was werden diejenigen, die gegen Gott eine Lüge aushecken, am Tag der Auferstehung denken? Gott ist huldvoll gegen die Menschen. Aber die meisten danken ihm nicht“.
Diese furchterregende Verse offenbaren, dass es der Mensch ist der „gegen Gott“ zwischen Verbotenes und Erlaubtes unterschieden hat. Welche Antwort wird jeder von uns zu dieser Frage des Korans geben: Ist es Gott, der zwischen Erlaubte und Verbotene Güter, die Er uns schenkt, unterschieden hat oder ist es der engstirnige Geist schlechter Gläubigen, die Gott diese Lüge zuschreiben?
In einem anderen Sinne offenbart der Koran andrerseits, dass Gott frei ist in den offenbarten Büchern das auszulöschen was Er will:
„Jedes Zeitalter hat von Gott seine eigenen Vorschriften. Gott löscht aus, was er will, und bestätigt, was er will, denn bei ihm befindet sich die Mutter des Buches“ (Koran 13; Der Donner‚38-39).
Also erklärte der Messias wie bereits erwähnt „alle Speisen für rein“ (Markus 7,19). Danach wiederholte Gott bezüglich aller Tiere drei Mal dem Petrus:
„Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein!“ (Apostelgeschichte 10,15-16).
Paulus hat seinerseits ebenfalls die Frage des Reinen und Unreinen mit folgenden Worte erläutert:
„Reiss nicht wegen einer Speise das Werk Gottes nieder! Alle Dinge sind rein…“ (Römer 14,20).
Er bestätigt nochmals diese Wahrheit in seinem Schreiben an seinen Jünger Titus:
„Für die Reinen ist alles rein; für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und ihr Gewissen sind unrein. Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn…“ (Titus 1,15-16).
Der Konflikt zwischen der wörtlichen und der geistigen Interpretation ist andauernd. Gott verlangt von uns nicht nur einfach Glauben in seine Offenbarung, sondern den guten Glauben: nämlich derjenige, der sich seiner Absicht unterwirft. Gott ist Geist, und er sehnt die Erhebung unseres Geistes herbei. Ohne diese werden wir nicht zu Gott kommen können, was immer wir auch tun, um den Körper zu reinigen. Die körperliche Reinigung ist „bildlich“ zu verstehen und ist nur das Symbol der Notwendigkeit einer geistigen Reinigung. Sie kann diese jedoch nicht erzeugen. Die geistige Reinigung wird durch den Glauben und die guten Taten erreicht.
Die Gläubigen, die den geistigen Sinn der Offenbarung suchen, werden den Gipfel des geistigen Lebens erreichen; jene hingegen, die sich an das Wörtliche festbinden, sind Zwerge, die im Koran wie folgt erwähnt werden:
„.. es gibt welche, die Gott nur nach dem Wort (harf; dem wörtlichen Sinn) dienen. Wenn ihnen etwas Gutes beschieden wird, beruhigen sie sich dabei; wenn sie aber von einer Prüfung heimgesucht werden, fallen sie in dieser und in der anderen Welt auf das Gesicht. Das ist ein offensichtliches Verderben“ (Koran 22; Die Wallfahrt‚11).
Der Ausdruck „harf“ hat auf Arabisch einen deutlichen Sinn und bedeutet in erster Linie „Wort“. Einige übersetzten ihn aber durch „am Rande“, welches den zweiten Sinn wiedergibt. Wäre die göttliche Absicht „am Rande“ gewesen, dann wäre der präzise arabische Ausdruck „hâfat“ geeigneter gewesen. Die göttliche Absicht zielt offentsichtlich auf diejenigen, die mit einem ängstigen Geist glauben und sich aus Furcht vor einer Strafe an das „Wort“ (den Buchstaben) klammern, ohne zu versuchen aus Liebe zu Gott die Absicht des Heiligen Geistes zu entdecken. „Der Buchstabe tötet“ lehrt das Evangelium „aber der Geist macht lebendig“ (2 Korinther 3,6).
Wie kann der Gläubige, der die Schrift wörtlich nimmt nicht verwirrt auf den Kopf „fallen“ und ins Wanken kommen, wenn zwei Stellen ein und derselben Offenbarung widersprüchlich sind? In Wirklichkeit ist dieser Widerspruch nur scheinbar, und er ist nur im wörtlichen Sinn vorhanden. Aber dieselben Texte stimmen auf der geistigen Ebene und in der göttlichen Absicht überein.
Also ist es eine Notwendigkeit des Heils sich zur göttlichen Absicht zu erheben, ohne welche man in den Sumpf des wörtlichen Sinnes eintaucht und sich durch die Unreinheit des Fanatismus und der Unwissenheit beschmutzt, wie es leider bei vielen der Fall ist. Diese Notwendigkeit sich zur göttlichen Absicht und zum geistigen Sinn der Texte zu erheben, wird in zwei Texten über die Schöpfung deutlich, welche scheinbar unähnlich sind:
„Er hat Himmel und Erde und alles was dazwischen ist in sechs Tagen geschaffen, und sich daraufhin auf dem Thron zurecht gesetzt“ (Koran 25; Al Furqan‚59).
Hier ist die Rede von einer Schöpfung in sechs Tagen. Wir finden in ein anderes Kapitel:
„Sag: Wollt ihr wirklich nicht an den glauben, der die Erde in zwei Tagen geschaffen hat…“ (Koran 41; Auseinandergesetzt sind‚9).
Die Interpretationen die sich bemühen, die Schöpfung in sechs Tagen und jene in zwei Tagen literarisch in Übereinstimmung zu bringen, sind komische und phantasierende Interpretationen. Es sind finstere, auf Ablenkung und falsche Anstrengungen gestützte Interpretationen, aber sie schaffen es nicht, den denkenden Menschen mit einer reifen und umsichtigen Mentalität zu überzeugen. Sie entfernen sich sicherlich von der Absicht Gottes in seiner Offenbarung.
Wir finden auch im Alten Testament zwei Schöpfungsberichte. Der erste Bericht spricht von der Schöpfung in sechs Tagen, in welcher Gott Adam und Eva am sechsten Tag erschuf, nachdem er die Tiere und die Pflanzen erschaffen hatte (Genesis 1). Der zweite Bericht sagt genau das Gegenteil aus. Gott erschuf Adam zuerst, daraufhin setzte er ihn alleine ins Paradies; anschliessend erschuf er den Rest der Tiere und schliesslich erschuf er Eva aus einer Rippe Adams. Der Bericht erwähnt nicht einmal eine bestimmte Anzahl Tage für die Schöpfung (Genesis 2).
Gibt es demnach Widerspruch in der Offenbarung? Nein! Die göttliche Offenbarung widerspricht sich nicht: Wir müssen verstehen, dass Gott durch seine Berichte, den polytheistischen Menschen die Existenz eines einzigen Schöpfers offenbaren will. Diese einfache Wahrheit erzeugte schon viel Hass gegen jene, die sie predigten. Das Ziel der Texte ist es, den Menschen die Kenntnis des einzigen Schöpfers zu offenbaren und ein Ende der nichtigen Anbetung von Götzenbildern und dem Kult, der den vielzähligen Göttern der Mythologie dargebracht wurde, zu setzen.
Dieser einzige Gott lädt uns durch die Mannigfaltigkeit der Schöpfungsberichte und ihren literarischen Unterschieden ein, den wörtlichen Sinn zu überholen und uns zu erheben, um den Geist zu erreichen. Es ist nicht wichtig zu wissen wie das Universum erschaffen wurde, sondern zu wissen, dass es einen einzigen Gottschöpfer zu verehren gibt. Es geht nicht darum, eine wissenschaftliche Neugier zufriedenzustellen, indem man in den Heiligen Schriften Wahrheiten von zahlenmässiger und zeitmässiger Ordnung sucht, sondern vielmehr darum, die göttliche Botschaft zu verstehen: Die Existenz eines einzigen Gottes und die geeignete Art Ihn anzubeten. Das ist es, was uns die Offenbarung enthüllen will.
1.3. Die göttliche Pädagogik in der Offenbarung
Wie ein Vater zu seinen Kindern hat Gott immer die Pädagogik in der Offenbarung benutzt, um die Gläubigen zu leiten und sie stufenweise von ihrem jeweiligen Standpunkt aus bis zur psychologischen und geistigen Reife, wohin er sie haben will, zu führen. Jeder umsichtige und scharfsinnige Gläubige stellt fest, dass Gott im Koran Pädagogik gegenüber den Arabern des siebten Jahrhunderts n. Chr. anwendet. Dieselbe Pädagogik wurde von Gott gegenüber den Juden und den Christen im Alten und Neuen Testament angewendet.
Die Araber der arabischen Halbinsel kannten das geistige Leben auf Grund ihrer Unkenntnis der offenbarten göttlichen Wahrheiten nicht. Vor dem Erscheinen des Propheten Mohammed verehrten sie in Mekka mehr als 360 Götzenbilder, allesamt vereint in der Kaaba, einem quadratischen Bauwerk, welches den schwarzen Stein beherbergt, von dem die Araber glauben, er sei vom Himmel herabgekommen.
Die Götter der arabischen Mythologie assen, heirateten untereinander und zeugten Kinder. Die Araber glaubten also an eine Mythologie vergleichbar mit der Griechischen vor dem Eindringen des Christentums in Europa.
Es war nicht möglich, den Arabern das vollkommene Licht auf einmal zu geben, weil sie den göttlichen Wahrheiten so fern waren. Im selben Masse, wie es dem menschlichen Auge, das lange Zeit in der Dunkelheit verweilte unmöglich ist sich plötzlich und auf einen Schlag dem Lichte der Sonne zu öffnen ohne Gefahr nichts mehr zu sehen, im selben Masse musste man das Licht stufenweise jenen geben, die lange im Dunkeln verweilten.
Gott handelte, wie immer, mit Weisheit, um sich den Arabern nicht nur in „klarer arabischer Sprache“, sondern auch stufenweise zu offenbaren. Er handelt so wie der Lehrer, der seinen Schüler erzieht, ihn durch die Grundschule zu den primären und schliesslich durch die sekundären Klassen zu den höheren Abschlüssen und Diplomen führt.
Der Schöpfer war genauso Verfahren mit Abraham, Moses und den Juden in der Thora, wie darauf hin mit den Christen im Evangelium, indem er nach und nach das Wesen seines einzigen und geistigen Seins offenbarte. Diese Pädagogik findet sich im Koran wieder, in dem Gott den Arabern die biblischen Wahrheiten mit einer Feinheit und einem unendlichen Feingefühl offenbart. Wie ein Vater, der sein Kind bis zur vollen Reife erzieht. Um dies zu erläutern, werden wir zwei Beispiele der göttlichen Pädagogik darlegen. Das eine handelt von den Tieropfern und das andere von der Heirat.
1.3.1. Die Opfergaben
Zu Moses Zeiten hatten sich die Juden mit der Götzenanbetung verunreinigt. Sie verehrten die ägyptischen Götter und boten ihnen Opfergabe nach Opfergabe dar. Um sie von diesen heidnischen Handlungsweisen, woran sie sich während mehr als vier Jahrhunderten gewöhnt hatten, zu entfernen, und um sie letztendlich stufenweise dem einzigen Gott näher zu bringen, hat ihnen Moses in der Thora einen Kult gegeben. Jener bestand in den Opfergaben, welche nicht den ägyptischen Göttern, sondern dem einzigen Gott, den sie vergessen hatten, geopfert wurden. Der Sinn dieser Opfer war nicht Gott Genüge zu tun, sondern die Juden von der Götzenanbetung abzubringen. Dies war der erste Schritt, der sie der wahrhaftigen Verehrung Gottes näher bringen sollte.
Moses war weder im Stande den Kult der Opfergaben sofort und endgültig zu unterbinden, noch war er im Stande die Juden von der Unmöglichkeit zu überzeugen, dadurch die göttliche Gnade zu erhalten. Sie konnten zu jener Zeit das Wesen der Reue welches darin bestand, sich Gott durch die Vergebung und nicht durch Opfergaben zu nähern, nicht verstehen. Gott erlaubte also diese Opfergaben als erster Schritt, um sie näher zu Ihm zu bringen.
Der zweite Schritt fand mehr als fünf Jahrhunderte nach dem Auszug der Juden aus Ägypten statt. Gott offenbarte seinen Propheten die Nichtigkeit der Opfergaben wie der Tieropfer und erklärte, dass das einzige Ihm genehme Opfer das der geistigen Opfergabe ist. Die wahre Opfergabe die Gott gefällt, ist eine reumütige Seele, die sich dem göttlichen Willen ganz unterwirft. David, der König und Prophet, wendet sich im Psalm 51(50) wie folgt an Gott:
„Herr, öffne mir die Lippen, und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden. Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; an Brandopfern hast du kein Gefallen. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“ (Psalm 51(50),17-19).
In einem anderen Psalm sagt Gott ebenfalls:
„Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken? Bringe Gott als Opfer dein Lob, und erfülle dem Höchsten deine Gelübde! Rufe mich an am Tag der Not; dann rette ich dich, und du wirst mich ehren“ (Psalm 50(49),13-15).
In der Bibel verkündete Gott durch den Propheten Jeremia (6. Jahrhundert vor Christus), dass er niemals die Opfer und Brandopfer gefordert hatte. Er wünsche hingegen, dass man seinen Geboten folge. So sagt Jeremia auf ironischer Weise zu den Juden:
„So spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Häuft nur Brandopfer auf Schlachtopfer, und esst Opferfleisch! Denn ich habe euren Vätern, als ich sie aus Ägypten herausführte nichts gesagt und nichts befohlen, was Brandopfer und Schlachtopfer betrifft. Vielmehr gab ich ihnen folgendes Gebot: Hört auf meine Stimme, dann will ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein. Geht in allem den Weg, den ich Euch befehle, damit es euch gut geht“ (Jeremia 7,21-23).
Auch der Prophet Micha (8. Jahrhundert vor Christus) hatte die Eitelkeit der Brandopfer denunziert und fuhr fort, indem er sagte:
„Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Nichts anderes als dies: Gerecht handeln, mit Zärtlichkeit zu lieben und in Demut den Weg mit deinem Gott zu gehen“ (Micha 6,8)
Auch der Koran lädt uns ein, uns über die Tieropfer zu erheben und die wahre Absicht Gottes zu verstehen. Über die Tieropfer sagt er:
„Weder ihr Fleisch noch ihr Blut gelangt zu Gott, wohl aber die Gottesfurcht, die ihr eurerseits empfindet“ (Koran 22; Die Wallfahrt‚37).
Trotzdem Gegensatz dazu sehen wir die Gläubigen zu Millionen zu den Wallfahrtsorten herbeilaufen, wo eine unberechenbare Anzahl von Lämmern und anderen Tieren geopfert wird. Gott ist aber „weder durch ihr Fleisch noch ihr Blut“ berührt. Dieser Brauch ist eher weltlicher als geistiger Art und zielt darauf ab einer heuchlerischen Gesellschaft zu gefallen, welche die wahre Frömmigkeit im täglichen Leben verachtet.
1.3.2. Die Heirat
Die polygamische Heirat bei den Arabern der Antike war anarchistisch, genauso wie die Scheidung. Dominiert durch die Willkür und die Launen der Männer brachte die Heirat der Frau grosse Unsicherheit und viele Gefahren: Die Scheidung war leicht und die Frau erhielt keinerlei Entschädigung oder Abfindung. Die unwürdige Stellung der Frau in den Harems des antiken arabischen Orients muss nicht speziell kommentiert werden.
Der Koran verringert in einer ersten Etappe die Zahl der Ehefrauen und ordnet die Scheidung einem Gesetz unter, gemäss welchem der Mann die geschiedene Frau entschädigen muss. Die Heirat ist auf vier legitime Gemahlinnen beschränkt, dies unter der Bedingung, ihnen gegenüber immer gerecht zu sein, ansonsten darf der Mann nur eine Einzige heiraten. Hier erscheint die Pädagogik Gottes, wonach die Beschränkung der Zahl der Ehefrauen eine grosse Entwicklung für den arabischen Mann jenes Zeitalters war. Eine Entwicklung, welche die Leute der Bibel bereits durchgemacht hatten. Der Koran sagt:
„Und wenn ihr fürchtet, die Waisen nicht recht behandeln zu können, dann heiratet was euch an Frauen ansteht, zwei, drei oder vier. Und wenn ihr fürchtet (so viele) nicht gerecht zu behandeln, dann heiratet nur eine… und gebt den Frauen die Mitgift als Geschenk“ (Koran 4; Die Frauen‚3-4).
Es ist zu bemerken, dass der erste Vers damit beginnt die Aufmerksamkeit des Mannes auf die Waisen zu erwecken, und somit die Tür zur Nächstenliebe öffnet. Daraufhin spricht der Koran nicht nur über die Zahl der Gemahlinnen, sondern legt dem Manne auch auf, jeder Gemahlin eine Mitgift zu geben. Einerseits ermuntert dieser Vers nicht zur Polygamie und andererseits gibt es der Frau eine wichtigere Rolle, da eine Mitgift vom Gemahl und nicht von der Frau, wie dies lange Zeit selbst im christlichen Abendland der Fall war, gefordert wird. Der Koran erlaubt den Frauen zugunsten des Mannes freiwillig auf die Mitgift zu verzichten:
„Und gebt den Frauen die Mitgift als Geschenk. Wenn sie euch aber freiwillig etwas davon überlassen, könnt ihr es unbedenklich annehmen“ (Koran 4; Die Frauen‚4).
Nachdem er die Heirat eingeschränkt hat, empfiehlt der Koran die Monogamie. Als der Koran das gleiche Thema wenig später wieder aufnimmt, stellt er die Monogamie als einzige Möglichkeit dar, jede Ungerechtigkeit den Frauen gegenüber zu vermeiden:
„Und ihr werdet eure Frauen nie wirklich gerecht behandeln können, mögt ihr noch so sehr darum bemüht sein“ (Koran 4; Die Frauen‚129).
Es ist klar, dass Gott den Mann durch diesen Vers zur Monogamie einlädt. Nachdem Gott den Mann von einer wilden Beziehung zur Frau bis zur Heirat mit vier Frauen unter der Bedingung einer Gleichbehandlung führte, schreibt Er ihm schlussendlich die Monogamie vor, denn er wird nie wirklich gerecht gegenüber vier Frauen sein können „möge er noch so sehr darum bemüht sein“. Jeder aufrichtige Gläubige, der versucht Gott zu gefallen und nicht seinen eigenen Wünschen Genüge zu tun, wird diese göttliche Pädagogik verstehen, wenn er im Glauben reif ist.
Der Schöpfer führt also die Monogamie mit viel Feingefühl in die arabische Mentalität ein. Dennoch ist der erste Eindruck, der bei vielen Muslimen noch vorherrschend ist, der, dass die Polygamie vom Koran erlaubt wird. In Wahrheit wird diese nur eine Weile toleriert bis der Mensch eine gewisse psychologische und geistige Reife erreicht. Gott gibt so dem Menschen, diesem von ihm gekannten schwachen Wesen, durch die Erfahrung Zeit, um die Wichtigkeit der Monogamie für das geistige und zeitliche Leben zu realisieren.
Wenn wir die moderne arabische Gesellschaft beobachten, stellen wir fest, dass der pädagogische Plan Gottes bezüglich der Monogamie erfolgreich war. Die grosse Mehrheit der Araber hat heute nur noch eine einzige Gemahlin, und die Polygamie wird in Verruf gebracht. Gleichermassen wird die Scheidung in der Mehrzahl der arabischen Familien verachtet; sie bildet generell den einzigen Ausweg in schwerwiegenden und ernsthaften Fällen. Der Unterschied zwischen der heutigen islamischen und der vorislamischen Gesellschaft nach der belebenden Eingebung des Korans ist gross.
Auch das Evangelium nimmt die gleiche pädagogische Haltung in Bezug auf Heirat und Scheidung ein: Die Pharisäer, die die Scheidung frei und wann immer sie wollten anwandten, fragten Jesus danach, um ihn in Verlegenheit zu bringen:
„Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat, und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sie sind eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Moses vorgeschrieben, dass man der Frau eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Moses euch erlaubt eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so…“ (Matthäus 19,3-8).
Man muss die schockierte Reaktion der Apostel als sie die Worte ihres Meisters hörten, unterstreichen. Sie sagten:
„Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an ‚entmannt‘, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches Willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (Matthäus 19,10-12).
Zwei wichtige Fakten fallen bei dieser Geschichte auf: Erstens war es Moses, der erlaubt hat, eine Scheidungsurkunde zu schaffen, nicht Gott. Moses hat dies als einen pädagogischen Schritt zugelassen, ein zeitlich begrenztes Zugeständnis aufgrund der geistigen Unreife der Menschen jenes Zeitalters, ein Zugeständnis das man später überholen sollte, um zu dem von Gott vorgesehene Originalzustand zu kommen, wie Jesus es erklärt hat. Die Juden, die aber an die menschlichen Traditionen festhielten, klammerten sich an die wörtliche Auslegung des Gesetzes und lehnten es ab, sich zur göttlichen Absicht zu erheben.
Zweitens sollten wir beachten, dass der Messias in seiner Rede über Heirat und Scheidung als er die Keuschheit derer lobte, die sich um des Königreich Gottes willen selbst „entmannt“ haben, noch weiter ging. Diese Äusserung bedeutet kein chirurgischer Eingriff und kein immer dauerndes Zölibat, sondern es schliesst die treue Heirat, die voll von tiefen, geistigen Gefühlen ist, mit ein. Es handelt sich nicht darum, die rein sexuellen Triebe zu befriedigen, sondern sie zu bändigen, bis man den Lebensgefährten, der von Gott ausgesucht wurde, trifft. Sie machen sich geistig zu „Entmannten“, d.h. keusch, und in der einzigen lebenslänglichen Ehe treu.
Der Koran spricht auch von der Keuschheit, indem er sagt:
„Jene, die keine Gemahlin finden können, sollen so lange Enthaltsamkeit üben, bis Gott sie durch seine Huld reich macht (indem er ihnen der Partner oder die Partnerin schickt)“ (Koran 24; Das Licht‚33).
Die damaligen Araber ignorierten und verachteten die Tugend der Enthaltsamkeit und der Keuschheit vor der Heirat. Sie gingen so weit, jene, die diese Tugend ausübten wegen Mangel an Männlichkeit anzuklagen. Dies ist heute noch der Fall in den sogenannten christlichen Ländern.
Die Lehren des Korans trugen gute Früchte in den Herzen vieler Araber. Der Koran ist der Urheber der Entwicklung der islamischen Gesellschaft, selbst wenn einige seiner Lehren bei vielen Muslimen, die sich dem Geist des Korans verschlossen haben, unfruchtbar geblieben sind. Auf gleicher Weise konnte das Evangelium keine Früchte in den Herzen vieler Christen tragen, da sie die Keuschheit und die Heiligkeit der Ehe missachten.
1.4. Die Einheit der Offenbarung
Die Offenbarung in der Bibel und im Koran ist ein und dieselbe. Sie stammt vom gleichen Gott, der sich offenbart hat, indem er selbst seine Existenz in den Büchern des Alten und des Neuen Testaments und des Korans bekundet. Genau das versichert der Koran indem er den Leuten der Bibel sagt:
„Unser und euer Gott ist einer. Ihm sind wir ergeben (Muslim)“ (Koran 29; Die Spinne‚46).
Von einem einzigen Gott stammt eine einzige unabänderliche Offenbarung, ohne Verfälschung. Wer das Gegenteil behauptet ist ein Gotteslästerer.
Um die Einheit der Offenbarung in den biblischen und koranischen Versen zu entdecken, muss man die Ausdrücke und die verschiedenen literarischen Stile überholen, um den tieferen Sinn zu verstehen und somit auch den Geist Gottes zu durchdringen. Wenn wir diesen wichtigen Punkt verstanden haben, werden wir Zeugen des Monotheismus sein können, da es weder logisch noch passend ist, die Existenz eines einzigen Gottes zu bezeugen, ohne Zeuge der Einheit der Offenbarung zu sein.
Gewisse Fanatiker versuchen die Offenbarung zu teilen, indem sie mit der Absicht Hass und Unruhe zu stiften, Gerüchte verbreiten. Die wichtigsten Gerüchte sind folgende:
- Der Koran ist nicht von Gott offenbart
- Der Koran will die Bibel abschaffen
- Das Evangelium ist verfälscht
- Das Evangelium widerspricht sich wegen angeblichen Unterschieden in den vier Evangelien usw
Diese Verleumdungen haben überhaupt keine Grundlage im Koran. Viele rechtschaffene Gelehrte, unter ihnen Scheich Mohammed Abdo, der ehemalige Vorsteher der Al-Azhar Moschee in Kairo, haben diese Gerüchte gebrandmarkt. Scheich Mohammed Abdo hat mehrmals die Echtheit der biblischen Texte bezeugt.
Um die Einheit der Offenbarung zu entdecken, muss man zwei Dinge berücksichtigen:
- Die Offenbarung in ihren historischen, geographischen und sozialen Zusammenhang setzen.
- Mit dem besten Argument diskutieren, wie es der Koran verlangt.
Die besten Interpretationen, sind diejenigen, die die Bibel bestätigen. Dies ist der „Gerade Weg“ (Koran I; Fatiha‚6). Hingegen müssen koranische Interpretationen, welche dem biblischen Geist widersprechen, abgelehnt werden, da sie im Widerspruch zum Koran stehen, der die biblischen Schriften, die vor ihm herabgekommen sind, bestätigt. Diese falschen Interpretationen sind der krumme Weg der „Verirrten, die den Zorn Gottes anziehen“.
1.4.1. Die Offenbarung in ihrem Zusammenhang verstehen
Um eine Offenbarung, sei sie biblisch oder koranisch zu verstehen, muss man den Propheten, dem Gott die Botschaft offenbart hat, kennen, den Grund ausmachen, weshalb diese Botschaft gegeben wurde und den historischen und sozialen Zusammenhang verstehen. Gott sagt im Koran:
„Wir haben keinen Gesandten (zu irgendeinem Volk) geschickt, ausser mit einer Verkündigung in der Sprache des jeweiligen Volkes, damit er ihnen Klarheit gibt“ (Koran 14; Abraham‚4).
Deshalb muss man das Volk, die Zeit, die Sprache jedes Propheten und die Gesellschaft in der er gesandt wurde sowie der historische Zusammenhang kennen, um die Reichweite der offenbarten Botschaft zu verstehen.
Der Koran wurde auf der Arabischen Halbinsel offenbart, um deren Bewohner über die Existenz eines einzigen Gottes und über das Nichtvorhandensein ihrer mythologischen Götter zu informieren. Der Koran verkündet den Arabern aber auch, dass dieser Gott sich früher den Leuten der Bibel offenbart hatte. Er stellt sich ihnen durch den Koran vor und legt ihnen auch durch den Koran die Bibel in „klarer arabischer Sprache“ oder „Lesung“ dar, damit sie denselben Weg wie ihre Vorgänger (Juden und Christen) folgen:
„Gott will auch euch seinen Willen mit Klarheit erklären und will euch auf den Weg eurer Vorgänger führen“ (Koran 4; Die Frauen‚26).
Der Weg des Islams ist also derjenige der Bibel. Deshalb lädt Gott die Araber ein, nicht nur an den Koran, sondern auch an die Bibel zu glauben. Hier zeigt sich die Einheit der Offenbarung:
„Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten (Mohammed) und die Schrift (Koran), die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und die Schriften (Thora und Evangelium), die er schon früher herabgeschickt hat…“ (Koran 4; Die Frauen‚136).
An die Bibel und an den Koran zu glauben ist eine Bedingung für den monotheistischen Glauben und für die Verwirklichung der Vereinheitlichung der Offenbarung. Indem wir an die Echtheit der Bibel glauben, werden wir die korrekte Interpretation des Korans entdecken, da dieser die Echtheit der Bibel bestätigt.
Wie können also einige behaupten, dass die Bibel und im Besonderen die Evangelien verfälscht sind, wenn der Koran selbst ausdrücklich das Gegenteil sagt? Tatsächlich sagt der Koran:
„Diejenigen, denen wir das Buch gegeben haben (die Bibel) lesen es richtig und glauben daran. Diejenigen aber die nicht daran glauben, werden ins Verderben gehen“ (Koran 2; Die Kuh‚121).
Unser Glaube an die Einheit der göttlichen Offenbarung und an deren Schutz durch Gott zwingt uns, sowohl an die Bibel als auch an den Koran zu glauben. Die Anhänger der These der Verfälschung der Bibel widersprechen dem Koran. In der Tat, sagt Gott wie oben erwähnt:
„Diejenigen, die nicht daran glauben, werden ins Verderben gehen“ (Koran 2; Die Kuh‚121).
Wir weisen den Leser auf die Tatsache hin, dass der Koran die richtige Lektüre des Evangeliums bekräftigt, d.h. „wie es offenbart wurde“, so die Interpretation des Korans durch die „Jalalein“. Die Tatsache, dass der arabische Prophet Mohammed immer dann, wenn er an seiner Mission zweifelte, sich an jene, die die Schriften (Bibel) lesen, wandte, stärkt unseren Glauben und unsere Beziehung zu den Heiligen Schriften. Gott selbst führte ihn zu „den Leuten der Bibel“:
„Wenn du (Mohammed) über das was zu dir als Offenbarung herabgesandt worden ist im Zweifel bist, dann frag diejenigen, die die Schriften, die früher herabgesandt worden sind, lesen. Zu dir ist doch von deinem Herrn die Wahrheit gekommen. Sei keiner von denen, die zweifeln“ (Koran 10; Jonas‚94).
Wir haben versucht uns bei unserer Suche nach der Wahrheit an den Koran zu halten, dieser aber lädt uns ein und fordert uns auf, uns auf das Evangelium zu beziehen, indem er sagt:
„Sag den Leuten der Schriften: Ihr entbehrt der Grundlage solange ihr euch nicht an die Thora und an das Evangelium haltet“ (Koran 5; Der Tisch‚68).
Von der Echtheitsbezeugung des Korans zugunsten der Bibel ausgehend, haben wir uns vorgenommen, die Einheit der Offenbarung in beiden offenbarten Büchern aufzuzeigen. Wir haben uns unaufhörlich bemüht, den Punkt des Zusammentreffens zwischen Koran und Bibel zu finden und dank Gottes haben wir unser Ziel erreicht.
1.4.2. Die Diskussion mit dem „besten“ Argument
Im Verlaufe unserer Studie sind wir zu folgender Schlussfolgerung gekommen: Jede Auslegung des Korans, die der Bibel widerspricht, stellt sich dem Geist des Korans entgegen und muss daher ausgeschlossen werden, da der Koran ja gesandt wurde um die Bibel zu bestätigen und nicht um ihr zu widersprechen.
Der Koran enthält 15 Verse, die bezeugen, dass der Koran offenbart wurde, um die Bibel zu bestätigen. Hier zwei Beispiele:
Koran 2; Die Kuh‚41: „Glaubt an das, was ich zur Bestätigung dessen, was euch vorliegt (die Bibel) hinabgesandt habe“ (siehe auch 2; 89,91,97,101).
Koran 3; Sippe Imrans‚3: „Er hat die Schrift mit der Wahrheit auf dich herabgesandt als Bestätigung dessen, was vor ihr da war. Er hat auch die Thora und das Evangelium herabgesandt, früher, als Rechtleitung für die Menschen…“ (siehe auch 3,81 / 4,47 / 5,48 / 6,92 / 10,37 / 12,3 / 35,31 / 46,12,30).
Unsere Leitlinie stützt sich auf das leuchtende Gebot des Korans: „Mit dem besten (Argument) diskutieren“ (Koran 29; Die Spinne‚46). Das „beste“ Argument ist dasjenige, welches aufzeigt, dass der Koran die Bibel bestätigt und besteht in der Entdeckung der Einheit der biblisch-koranischen Offenbarung. Dies ist der „Gerade Weg“ der Auserwählten (Koran 1; Fatiha‚6) und „die festeste Handhabe“ (Koran 2; Die Kuh‚256). Wir haben uns also bemüht, die Themen mit Liebe und grösstmöglicher Vorsicht zu behandeln, um nicht in die Falle der Kontroverse durch das schlimmste Argument zu geraten, wie es Viele tun. Sie sind für die Entfernung von vielen Leuten vom Koran, durch ihr verrücktes und fanatisches Benehmen verantwortlich. Sie entstellen das wahre Gesicht und die Reinheit des Islams und tragen die Verantwortung für die Ablenkung der Seelen und für die Trennung der Gläubigen. Sie werden über ihr Verhalten am Tag des Gerichtes vor Gottes Thron Rechenschaft ablegen müssen, denn sie begehen sich auf den gewundenen Weg der „Verirrten, die den Zorn Gottes anziehen“.
1.5. Kommentar
Der Koran wiederholt mit Stärke das biblische Gebot, welches an die Leute der Bibel, Juden und Christen, adressiert wurde, sie sollten die Erkenntnis der Bibel verbreiten und nicht ersticken:
„Und als Gott einen Bund schloss mit denen, welche die Schrift (Bibel) gegeben ward: Ihr müsst sie den Leuten klarmachen und dürft sie nicht verborgen halten! Hierauf warfen sie sie achtlos hinter sich und verschacherten sie. Ein schlechter Handel!“ (Koran 3; Sippe Imrans‚187).
Die Führer der Völker der Bibel haben es unterlassen das göttliche Licht zu verbreiten. Sie haben die göttliche Botschaft hermetisch verschlossen und unverständlich gelassen, so dass das Volk auf blinder Weise glaubt, ohne die Gründe seines Glaubens zu verstehen. Sie kennen die Prophezeiungen nicht und wissen nicht einmal, dass es sie gibt. Nach der Bibel verurteilt selbstverständlich auch der Koran diese verräterische jüdische und christliche Verantwortliche und enthüllt ihre Vernachlässigung.
Was sollen wir denn von den muslimischen und arabischen Führern denken, welche die Bibel ausserhalb von ihren Grenzen verbannen, während der Koran zum Glück überall akzeptiert wird? Der Koran verlangt aber auch von ihnen - und sie sollten es wissen -, dass die biblische Botschaft auf deutlicher Weise überall, an allen Menschen und in aller Welt offenbart wird. Diejenigen, die dieses Licht verbergen werden von der schlimmsten Strafe bedroht:
Koran 2; Die Kuh‚159: „Diejenigen, die verheimlichen, was wir an klaren Beweisen und Rechtleitung hinabgesandt haben, nachdem wir es den Menschen in der Schrift klargemacht haben, werden von Gott verflucht und von denen, die verfluchen können“.
Koran 2; Die Kuh‚174: „Diejenigen, die verheimlichen, was Gott von der Schrift herabgesandt hat, und es verschachern, bekommen in ihren Bauch nichts als Feuer zu essen. Und Gott spricht am Tag der Auferstehung nicht zu ihnen und erklärt sie nicht für rein. Eine schmerzhafte Strafe haben sie zu erwarten“.
Jeder Kommentar dazu ist überflüssig.